Schmutziger Oktober - Scurry

Schmutziger Oktober 2. Okt. 2022

Zwei Jahre zuvor

Ich blicke auf mein Handy hinunter, als es piepst. Es ist die erwartete Nachricht von Hoku.

„Sie ist auf dem Weg.“

Das ist mein Stichwort. Ich starte den Motor und fahre mit dem Kleintransporter zum verabredeten Ort. Als ich dort ankomme, ziehe ich mir die Maske über den Kopf, richte die Kamera und warte auf das Mädchen. Sie müsste gleich in ihrem ekelhaft gelben Jogginganzug um die Ecke huschen und wenn es so weit ist, ist es eine Sache von wenigen Sekunden. Aus dem Transporter springen, das Mädchen schnappen, Spritze setzen und mitnehmen.

Meine Augen sondieren nervös die Umgebung. Ist schließlich meine erste Entführung und es muss alles wie am Schnürchen laufen, sonst wird es meine letzte Entführung sein. Bald geht alles ganz schnell. Ich zähle die Sekunden in meinem Kopf und bin froh, dass alles so weit so gut ist, wie die etlichen Tage zuvor, als Hoku und ich das Ding mit dem Schnappen und Wegpacken vorsichtshalber einige Male miteinander geübt haben.

Es war klar, dass wir das Mädchen an einem Dienstag entführen müssen. Dienstags sind die Straßen um diese Uhrzeit wie leergefegt, was uns in die Karten spielt. Kaum bis gar keine Zeugen. Ich weiß das, weil ich dieses Viertel schon über ein Jahr lang beobachte. So wie Hoku, der seinen Teil erfüllt und seit nun knapp einem Jahr die große Schwester dieses Mädchens fickt, nur um das Mädchen aus der Nähe studieren zu können, ohne das einer Fragen stellt , Verdacht schöpft oder es irgendwie komisch rüberkommen könnte. Planung, Abläufe kennen und Informationen beschaffen sind essentiell, wenn man will, dass etwas reibungslos funktioniert. Und es wird funktionieren. Da bin ich mir sicher, als das Mädchen endlich auftaucht und ich dieses verlockende Kribbeln in meinen Fingern spüre.

Ein letzter Blick in den Seitenspiegel und es liegt an mir, den Vogel in den Käfig zu bringen.

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