Es war einmal ein Clown (2016)

Creepypasta 15. Juni 2022

Es war einmal ein Clown, der sass an einem Dienstagmorgen auf einer Bank im Park. Sein gepunktetes Oberteil ist zerrissen, die knallroten Clownsschuhe sind durchlöchert und die farbige Plunderhose hatte auch schon bessere Zeiten hinter sich. So sass er da, alleine, gebrochen und von seinem Zirkus zerstossen. Warum? Wollen sie das wirklich wissen?
Ein Mann setzt sich neben den Clown. Paul ist sein Name. Paul ist gerade vor 30 Minuten entlassen worden und hat beschlossen, warum nicht in den Park gehen und eine Rauchen? Wo soll er sonst hin? Nach Hause? Dort wo ihn Weib fluchend und Teller nach ihm werfend erwartet, weil er wieder mit der Nachbarin von nebenan getechtelmechtelt hat? Was kann Paul schon dafür, er ist doch auch nur ein Mann und die Nachbarin eine wunderschöne bezaubernde blonde vollbusige Superlatina direkt aus Barcelona.
„Ey Mann. Willst du auch eine?“ Der Clown, Oskar sein Name, nimmt sein rotes Plastiknäschen vom Zinken und schnappt sich die Zigarette aus Pauls Hand. Feuer. Und einmal kräftig ziehen, etwas Husten, nochmal ziehen und den Kopf wieder hängen lassen.
„Scheiss Tag was?“
Der Clown lacht nur vor sich hin und kehrt mit den Schuhen ein bisschen Dreck über einen Stein, der da gerade so rumliegt.
„Ich wurde gefeuert, meine Frau hasst mich und wenn’s scheisse läuft, penne ich heute unter einer Brücke. Kommst wohl grade von einer Kostüm Party?“
„Eine Kostüm Party?“
„Ja.“
„Ich bin wirklich ein Clown.“
„Ein Clown? Es ist Jahre her, seit ich das letzte Mal einen Zirkus gesehen habe, geht heutzutage überhaupt noch jemand in einen Zirkus? Wozu in den Zirkus gehen, wenn man im Kino neben an Filme in 3D schauen kann?“
„Wissen sie. Kinder lieben den Zirkus.“
„Ich hasse Kinder. Schreien, Brüllen, stinken und kosten Geld.“
„Kinder lieben den Zirkus.“
„Das haben sie bereits gesagt. Ausserdem… ganz im Ernst, jeder hasst Clowns, ihr Clowns seid scheisse gruselig.“
„Kinder lieben Clowns.“
„Reden sie sich das ruhig ein. In Wirklichkeit hassen Kinder Clowns.“
„Ich bin ein grossartiger Clown gewesen.“
„Wenn sie so ein grossartiger Clown sind, warum sitzen sie hier und lassen den Kopf hängen?“
„Wie ich bereits sagte, ich bin ein grossartiger Clown gewesen.“
„Warum gewesen, was ist passiert?“
„Wollen sie das wirklich wissen?“
„Ja.“
„Ich werde es ihnen zeigen.“
„Wie wollen sie mir das zeigen?“
„Kommen Sie, folgen sie mir, aber passen sie auf, fallen sie nicht über einen Stein.“
„Über einen Stein?“
Der Clown steht auf und zeigt mit seinen langen behandschuhten Finger auf den Stein zwischen seinen Füssen.
„Diesen Stein und von dieser Sorte gibt es hier viele. Hinterhältige, kleine, graue Halunken. Überall.“
„Alter das ist nur ein Kieselstein.“
„Vielleicht auf den ersten Blick. Aber glauben sie mir, diese Kieselsteine sind hinterhältige kleine Racker. Wenn sie nicht aufpassen, können sie ihnen sehr sehr sehr weh tun.“
„Also entweder sind sie betrunken oder auf Pilzen.“
„Folgen sie mir,… folgen sie mir.“
Der Clown setzt sich in Bewegung und watschelt direkt im Gänseschritt auf den Teich in der Mitte des Parks zu. Paul steht ebenfalls auf, starrt auf das Kieselsteinchen vor sich, zuckt mit den Schultern und folgt dem Clown. Was für ein merkwürdiger Kauz.
Direkt vor dem Teich bleibt der Clown stehen, dreht sich um, setzt sich das Plastiknäschen wieder auf den Zinken und zeigt mit dem Finger auf den Boden.
„Passen Sie auf, ein Kieselsteinchen!“
Pauls Augen folgen dem Finger und entdecken das Steinchen. Grossräumig umkreist er es und kommt neben dem Clown zum stehen.
„Gut, sie haben gelernt.“
„Was wollen sie mir hier zeigen?“
„Sehen sie, sehen sie…“ Der Clown streckt seinen Arm aus und fordert Paul mit zittrigen Händen auf in den Teich zu schauen.
„Was ist da?“
„Blicken sie tiefer… tiefer… sehen sie das? Sehen sie was dort liegt?“
Misstrauisch nähert sich Paul dem Teich nochmals einen Schritt, um besser hinein sehen zu können. Gerade als er eine Gestalt im Wasser wahrzunehmen scheint, geht er noch einen Schritt näher um noch besser sehen zu können, rutscht aus, stolpert und fällt direkt in den Teich hinein.

„Ich habe ihnen doch gesagt, sie müssen auf die Steinchen aufpassen. Diese hinterhältigen, grauen, kleinen  Halunken.“
Grinsend beobachtet Oskar, wie Paul unter der Wasseroberfläche verschwindet und als kein Luftbläschen mehr aufsteigt, verschwindet das Lächeln wieder aus Oskars Gesicht. Geknickt watschelt er zurück zu der Bank und setzt sich.
„Diese hinterhältigen Halunken..“

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